Die Instapokalypse naht, der Algorithmus ist da! … oder doch nicht?


von Patrick Teeuwen

die-instapokalypse-naht-article So, oder ähnlich panisch hat die globale Instagram-Gemeinde in den letzten Tagen auf die Änderungen der angekündigten Kanal-Mechanik reagiert. Instagramer jeden Kalibers riefen ihre Follower mit entsprechenden Postings und dem Hashtag #turnmeon dazu auf, die Notifications für ihre Beiträge zu aktivieren. Soweit, so befremdlich - denn obwohl man als User mittels dieser Einstellung zwar durch eine Push-Notification benachrichtigt wird, wenn der ‚angeturnte’ Instagram-Account etwas hochlädt, beeinflusst diese Einstellung in keinster Weise irgendeinen Algorithmus. Im Gegenteil: Man handelt ungefähr so, als würde man den eigenen Schwarm jedes mal via WhatsApp fragen, ob er die vorherige Nachricht auch wirklich bekommen hat – nur um ‚auf Nummer sicher zu gehen’. Das ist nervig, peinlich, unseriös und wahrscheinlich wird’s mit einer langfristigen Bindung dann auch eher schwierig. Vor allem Personen und Marken, für die Instagram nicht nur aus reiner Freude an digitaler Eitelkeit betrieben wird, sondern eine Lebensgrundlage darstellt, sollten hier besser Bescheid wissen. Bevor man also die nahende digitale Irrelevanz fürchtet gilt die Devise: Ruhe bewahren und die Fakten sichten: Was ist der Algorithmus und welchem Zweck soll er dienen? Bisher funktioniert der Newsfeed von Instagram so, dass Beiträge zeitlich chronologisch von oben herab angezeigt werden. Der aktuellste Content steht ganz oben, die Schnappschüsse von Freunden werden somit gnadenlos gleichwertig mit aufwändig produzierten Inhalten namhafter Influencer und Marken gezeigt. Einen komplizierten Algorithmus sucht man bisher also vergebens, es zählt nur der Zeitpunkt des Postings. Nun folgen die meisten der User mittlerweile so vielen Accounts, dass sie täglich mit einer schier unendlichen Anzahl von Inhalten konfrontiert werden. Instagram selbst spricht in einem offiziellen Blogpost davon, dass User im Schnitt nur 30% ihres Feeds aktiv wahrnehmen. 70% der Inhalte fallen damit einfach ungesehen hintenüber, egal wie relevant sie theoretisch wären. Instagram will nun auf technischer Basis für diese theoretisch relevanten Inhalte in die Bresche springen (richtig, er ist noch nicht da. Wer das nicht glaubt, soll seinen Feed einfach mal auf Chronologie checken: Ist er noch chronologisch? Dann ist der Algorithmus wohl noch nicht da ;)). Der im Hintergrund laufende Algorithmus soll Beiträge, mit denen oft interagiert wird, als wertvoller bewerten. Wer also viele Likes, Comments und Searches für sich verbuchen kann, wird als relevanter eingeschätzt und im Feed der Fans weiter nach oben sortiert. Was bedeuten diese Änderungen? Werden bisher erfolgreiche Accounts nach diesem Prinzip belohnt und Privatpersonen mit weniger erfolgreichen Schnappschüssen abgestraft? Wird Instagram in der Wahrnehmung der User werblicher erscheinen und zur lifestyligen Alternative zum Otto-Katalog? Wird es zu weiteren Abwanderungsströmen jüngerer Nutzer zu Snapchat, Periscope und Musically kommen?

Man kann diese Situation nun auf zwei Arten bewerten:

Man schließt sich den Hatern an, bettelt nach Push-Notifications und empört sich über das vermeidliche Verschwinden der Unmittelbarkeit, die Instagram ja eigentlich schon in seinem Namen verspricht… (Ich rate davon ab.) ... oder man akzeptiert diese Entscheidung als fortschreitende Professionalisierung eines Kanals, der seine Kinderschuhe nun gegen Arbeitsschuhe getauscht hat und beschließt, auch abseits erzwungener Notifications relevant bleiben zu wollen. Für Marken heißt dies in erster Linie: Umdenken und die Situation neu bewerten.
  1. Die Followerzahl eines Kanals ist mit diesen Änderungen nicht mehr gleich die potenzielle Gesamtreichweite. Besonders letztere hat den Kanal bei Werbetreibenden im Gegensatz zu den stetig sinkenden Reichweiten auf Facebook so beliebt gemacht – auch wenn die oben genannten 30% Sichtbarkeit sowieso Zweifel an dieser Haltung aufwerfen sollten.
  2. Die Bewertung der Relevanz eines Instagram-Kanals kann nicht mehr von der Größe der Fanbase bestimmt werden. Viel mehr sollte man sich die Zeit nehmen, die durchschnittlichen Interaktionswerte zu betrachten. Hier können Branchenvergleiche helfen, um eine Einschätzung über die wahre Power eines Kanals zu bekommen.
  3. Interaktionssteigernder Content und der aktive Einbezug der Community können Instrumente sein, um durch höhere Interaktionsraten gezielt aus der Masse der Postings anderer Accounts hervorzustechen.

Fazit

Ruhe bewahren, #Matchatee trinken. Bevor der Algorithmus nicht greift, versinkt niemand in sozialer Irrelevanz, der nicht schon vorher dort zu finden war. Dennoch sollte man sich – insbesondere als Instagramer mit wirtschaftlichem Hintergrund – Gedanken darüber machen, was die Änderungen wirklich bedeuten und wie man den eigenen Content zukünftig noch gezielter für gesteigerte Relevanz nutzen kann.
Alternative Text

Patrick Teeuwen

Social Media & PR




Get earnesto Daily Touch

Facebook Logo Instagram Logo