Panik, Trotz und Rebellion – Das Phänomen „Netzpubertät“


von Sandra Olesch

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In der Pubertät sind wir oft überfordert – von den Veränderungen in und an uns selbst und der plötzlichen Komplexität der Welt. Deshalb reagieren wir impulsiv, trotzig oder gleich panisch. Dann brauchen wir gute Freunde, Berater, die mit uns das Chaos im Kopf ordnen und mit denen wir unseren Weg gemeinsam finden können. Dasselbe Phänomen hat Autor, Moderator und Journalist Friedemann Karig auch im Umgang unserer Gesellschaft mit dem Netz erkannt und der Digital-Szene auf der re:publica TEN die Auswirkungen und Herausforderungen der Netzpubertät in seinem lebensnahen und humorvollen Vortrag näher gebracht. #repubertätica

Aber was genau ist diese Netzpubertät und wie äußert sie sich?
Wir sind online. Immer. Überall. Wir surfen und chatten, scrollen und liken, posten, folgen und snappen. Wir, unsere mobilen Geräte und sogar das eigene Zuhause sind immer stärker miteinander vernetzt, senden und empfangen durchgehend eine unüberschaubar riesige Masse an Informationen.
Für dieses Dauerfeuer an Daten und Inhalten sind wir als „pan narrans“ (sprechender Affe – Begriff: Terry Pratchett) physisch und psychisch nicht geschaffen.

Die Folge? Maßlose Überforderung. Aber wer nicht postet, nicht interagiert, der existiert auch nicht in der Welt von Social Media und dem World Wide Web. Also entwickeln Netzpubertierende das drängende Gefühl selbst rund um die Uhr aktiv zu sein, sich einzubringen, zu allem eine Meinung zu haben und diese sofort zu kommunizieren – auch, oder gerade wenn man sich gar nicht so recht auskennt. Treffen sie dann, in ihrem News-Feed, durch das Posting oder den Share eines Bekannten, auf ein mehr oder weniger kontroverses Thema, geht es los: sie möchten mitmischen und verfallen in platte, populistische oder provokante Aussagen. #trolls #shitstorm - ziemlich pubertär.
Sprich, die Netzgesellschaft hat Wachstumsschmerzen. Sie steht ständig unter Strom, ist genervt, gereizt, neigt zur Rebellion gegen Unbekannt und weiß gar nicht genau wieso – Ähm-Pörung nennt Karig diesen Zustand.

Die Lösung: Nutzer müssen in die Komplexität der Netz-Realität hineinwachsen, körperliche, emotionale und geistige Reife in Bezug auf das Informations- und Meinungs-Dauerfeuer entwickeln, differenzieren lernen und die konsumierten Inhalte in Perspektive setzen, bevor sie überhastet reagieren – wie pubertierende Teenager eben.

Und da schließt sich der Kreis, denn ist nicht genau das unsere wichtigste Aufgabe als digitale Kommunikationsberater? Wir nehmen die Rolle des guten Freundes und Beraters ein, der die Fülle der Informationen, Neuheiten und Entwicklungen der digitalen Welt bündelt und aufbereitet. Unser Job ist es für unsere Kunden und Communities das Chaos von Inhalten und Möglichkeiten zu ordnen, Komplexität zu reduzieren, Daten zu kontextualisieren, Trends, Kanäle und kritische Themen differenziert zu betrachten, zu perspektivieren und aufgrund dessen kreative und individuelle Strategien und Maßnahmen zu entwickeln. Strategien und Maßnahmen, die eine Marke oder eine Botschaft aus der Masse des täglich konsumierten Inputs herausstechen lässt, sich im Mind-Set festsetzt und treffsicher die gewünschte Zielgruppe erreicht.

Danke, Friedemann Karig für den inspirierenden Vortrag, der uns als Netzgemeinde gekonnt den Spiegel vorgehalten, den Weg aus der Netzpubertät gewiesen und dem earnesto-Team unsere Mission und unser Selbstverständnis aus einem neuen Blickwinkel hat begreifen lassen.

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Sandra Olesch

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