Glitzersticker für Mark Zuckerberg oder was ich von Instagram Stories halte


von Nadine Keck

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Ich weiß nicht, wie es bei euch war, aber als ich in der Grundschule war, waren Poesiealben der letzte Schrei.
Man hat sich endlos Mühe gegeben, um es individuell zu designen: Hat sich Collagen aus Magazin Schnipseln gebastelt, die Seiten durch Sticker und Skizzen gepimpt und war stolz, wenn die Schulkollegen gerne ins Poesiealbum geschrieben haben. Vom Ritterschlag, wenn sie dir sogar ihre Alben gaben, da sie wussten, du denkst dir was Tolles aus und bist kreativ, müssen wir gar nicht erst reden.
Und dann gab es Ina Schulz (*Namen durch die Redaktion geändert), deren Eltern Kohle ohne Ende hatten und die immer, wirklich IMMER einen draufsetzen musste mit ihrem Album – Glitzer-Sticker hier, teure Filzaufkleber da.
Und auf einmal stand man da, sah zu, wie sich Inas Seiten im Poesiealbum schneller füllten als deine... immerhin hatte sie eine viel größere Freunde-Base, da ihre Eltern sie in den Tennisclub und zum Kinderyoga brachten.
Dabei hattest du doch die cooleren, kreativeren Ideen und sie macht dich schlichtweg nach und bekommt dafür ganz schön viel Aufsehen.


Diese Geschichte ist natürlich frei erfunden.
Aber so, oder zumindest so ähnlich müssen sich Robert „Bobby“ Murphy und Evan Spiegel gefühlt haben, als Mark Zuckerberg sich auf den Pausenhof der Social Media Plattformen stellte und laut verkündete, dass Instagram Stories nun seine Glitzersticker im Innovationen-Poesiealbum sind.
SAY WHAT?

Ja, richtig gehört: Die Welt horcht auf, Business Magazine drehen durch, weil man jetzt „ganz nah und echt“ an den Influencern und Marken dran ist.
Und WOW, man kann crazy Sachen wie Neonschrift einfügen in seine Shortclips.
Und das Beste: Nach 24 Stunden löscht sich alles.
Wie ein Tagebuch.
Instagram Stories sind in aller Munde – und in aller Feeds.
Verrückt.
Innovativ.
Innovativ?
Frechheit, sage ich in meiner impulsiven, emotionalen Art, die meist die Underdogs sympathisiert.
Was halten wir denn davon, dass ein weltweit enormst erfolgreiches Netzwerk – Snapchat – schlichtweg 1 zu 1 kopiert wird?

Snapchat, verschrien als Netzwerk der jungen Generation, Plattform für Nacktbilder und Faceswaps mit Toastbroten, Chat-Tool und Fun-Tagebuch der Influencer wird einfach in „cool and edgy“ auf der perfektionistischen Plattform Instagram gespiegelt.
Brauchen wir das wirklich?

Aber um objektiv zu bleiben: Ja, Instagram Stories hat auch seine Vorteile. Zum einen natürlich die enorme Reichweite.
Aufgrund der schon bestehenden Followerzahl und der Präsenz direkt über dem Startfeed bekommt man mir-nichts-dir-nichts enorm hohe Views, die man sich auf Snapchat erst hart verdienen muss(te).
Ohne etwas hierfür zu tun, erscheint man ungehindert eines Algorithmus‘ auf dem Startfeed von Instagram – ohne Crosspromotion, ohne Verlinkung, ohne System.
Und hier kommen wir zu den, in meinen Augen, Nachteilen, welche die neue Funktion mit sich bringt: Eine Informationstsunami, den man nicht überblicken kann.
Zeitlich, aber nicht nach Relevanz sortiert, erscheinen die Kreise, die auf eine Story hinweisen, aber eben von ALLEN 2.476 Personen, welchen man aufgrund ihres #exclusiveshot, #dailyinspo oder #wiw folgt.
Aber möchte man diese in Detail inszenierte Welt wirklich aufbrechen?
Auf einmal SPRECHEN nämlich die sonst perfekt inszenierten Influencer – was sowohl Fluch als auch Segen sein kann.
Instagram reagiert somit also auf den Trend der neuen Nahbarkeit, der Echtheit im Netz und der Schnelllebigkeit – alles Features, die Snapchat groß gemacht haben.
Und hier muss ich wirklich sagen: Hands down für diese Chance für Markenkanäle.
Auf einmal öffnet sich nämlich hier der Horizont für Marken und Produkte, mehr zu erzählen, live von Events zu berichten, ohne enorme Mühe in Crosspromotion für einen neuen Kanal zu stecken.
Die Möglichkeit und die Reichweite bietet Instagram gleichermaßen.
Daher ist meine Sicht nicht komplett schwarz und weiß, jedoch in unterschiedlichen Graustufen, je nach Nutzung und Absender: Für Marken ist die Erweiterung von Instagram eine tolle Chance, für Snapchat Verfechter eher eine Doppelbelastung.

In wieweit sich die beiden Plattformen kannibalisieren oder noch weiter voneinander differenzieren wird die Zeit zeigen und ich bin sehr gespannt hierauf.

Jedoch ist schon eine Tendenz auf Seiten der Infleuncer zu erkennen: Viele bekennen sich zu Snapchat als ihre „real world“ – im Gegensatz zu Instagram, der „perfect world“

Und auch ich kann momentan sagen, dass ich am Ende eines ereignisreichen Agenturtages meinen Kopf lieber humorvoll in einen Toast verwandele, statt mir mein hart inszeniertes Image bei Instagram durch Augenschatten in den Stories zu torpedieren.

Lieber Robert, lieber Evan...nun gebt mir euer Poesiealbum, ich schreibe euch gerne etwas rein und verziere es noch mit einem Emoticon Patch ;)

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